Wunschschwangerschaft – Katastrophe

Liebe im Bauch – Die Lügenmama


Was dich erwartet:

Keine Schwangerschaft verläuft gleich und es gibt nicht den einen „Fahrplan“. In diesem Blogeintrag berichte ich über meine Schwangerschaft. Ich wurde mehrfach überrumpelt und möchte einfach meine Erfahrungen teilen.

Manche Paare werden ungewollt schwanger, manche sind in der Kinderwunschbehandlung und wieder andere wünschen sich ein Kind und es klappt einfach. Mein Partner und ich gehören zu Letzteren. Veni, vidi, vici. Vielleicht nicht ganz so, aber gut. 

Aber ja, wir sind mit Kinderwunsch geplant schwanger geworden. Pures Glück! Am Anfang kaum realisierbar. Meine Frauenärztin hat nie Fat-Shaming betrieben, aber schon offen und ehrlich mit mir darüber gesprochen, dass mein Gewicht und die Insulinresistenz problematisch sein könnten. Aber siehe da, nach zwei Monaten hat es geklappt. 

Ich hätte mir eine “No Drama Lama”-Schwangerschaft gewünscht. Ich meine, wer wünscht sich das nicht!? Doch leider nein, leider gar nicht.


Am Anfang hatte ich kleine Wehwehchen. Wassereinlagerungen, Krampfadern, Übelkeit, Verdauungsschwierigkeiten und vor allem unendliche Müdigkeit. Das haben ja viele Frauen in der Schwangerschaft. In der 14. SSW. habe ich dann Corona bekommen. Ich lag drei Wochen richtig flach mit Fieber, Schüttelfrost, Atemschwierigkeiten und allem, was zu einer Erkältung gehört. Danach ging es schleppend besser. Die Atemschwierigkeiten waren aber noch recht lange mein Wegbegleiter.

Die Hitze im Sommer, die Müdigkeit und meine Konzentrationsschwäche, alles geschuldet der Schwangerschaft, machten den Sommer sehr schwer für mich, denn ich bin schon so kaum hitzebeständig und habe eine Sonnenunverträglichkeit. Im September, da war ich in der 23. SSW, kamen ganz plötzlich und unendlich heftige Rückenschmerzen. 

Ich kann mich noch erinnern, wie ich morgens aufgestanden bin und nur dachte „Puh, ich muss mich wohl ganz schön verlegen haben.”

Beim Duschen, Anziehen, Packen der Arbeitstasche, wurde der Schmerz immer doller. Auf dem Weg zum Auto hatte ich bereits Tränen in den Augen. Wieso ich dachte, trotzdem losfahren zu müssen weiß ich nicht genau. Vielleicht durch den Gedanken, nicht wieder auf der Arbeit fehlen zu wollen.

Auch die Sitzheizung im Auto brachte nichts und als ich im Büro ankam und zu meinem Schreibtisch lief, konnte ich kaum aufrecht stehen, da mein Rücken im unteren Lendenwirbelbereich enorm schmerzte.

Also setzte ich mich hin, wartete eine halbe Stunde bis acht und rief beim Hausarzt an. Auf die Idee, meine Frauenärztin zu kontaktieren, kam ich erst gar nicht. Vielleicht auch, weil ich schon einmal einen leichten Bandscheibenvorfall hatte und irgendwie dachte, das wäre es nochmal.

Ich verließ das Büro und rief auf dem Nachhauseweg meinen Partner aus dem Auto an, damit er mich in Empfang nehmen konnte. Bereits als ich bei uns in der Straße bog, sah ich ihm die Sorge an. Er half mir aus dem Auto und begleitete mich zum Arzt.


Eineinhalb Wochen wurde von einem sich anbahnenden Bandscheibenvorfall ausgegangen. Doch dann kam der Frauenarzttermin, der mich umhauen sollte, der mich in eine Leere schickte. Rückenwehen!

Mein Gebärmutterhals hat sich drastisch verkürzt und das CTG zeichnet Wehen auf. Keine “normalen” Rückenschmerzen, kein Bandscheibenvorfall. Ich war wie in Trance. Erst noch erzählte ich über meine Beschwerden und dann ging alles sehr schnell. Untersuchung, CTG, Krankenwagen und ab ins Krankenhaus.

Diese Angst, mein kleines Wunder zu verlieren oder mein Kleines in der 26.SSW. zur Welt zu bringen, kann ich gar nicht in Worte fassen. 

Wäre mein Partner bei den Arzttermine nicht dabei gewesen, wüsste ich viele Sachen gar nicht mehr, denn mein Kopf schaltete komplett ab. Überlebensmodus. Schutzknopf und einfach existieren, ohne richtig anwesend zu sein.

Ich wurde in ein Krankenhaus mit Kinderklinik und Frühchenstation gebracht. 

Dort sofort wieder ans CTG, nochmal ausmessen des Gebärmutterhals. Noch kürzer als beim Frauenarzt. Eine recht unsensible Ärztin meinte nur: „Da kann man nichts machen. Wenn es jetzt kommt, dann kommt es.

Eine Welt stürzte zusammen. Meine! Ich war noch nicht bereit, das ist viel zu früh, wie sollen wir das nur schaffen?

Ein kurzes Gespräch mit meinem Partner, dass er sich beeilen soll ins Krankenhaus zu kommen, da ich es alleine definitiv nicht schaffen würde. 


Völlig erschöpft kam ich am späten Nachmittag/Abend auf die Station. Ich hatte nicht einmal richtig gefrühstückt, den ganzen Tag fast nur geweint, war komplett überfordert und gestresst vor Angst und musste dann alleine ohne meinen Partner im Krankenhaus bleiben. Absoluter Horror für uns beide. Er ist so lange geblieben wie es nur ging. Hat mir noch Abendbrot besorgt und gewartet bis ich meine Zimmernachbarin kennengelernt habe. Sie ist am selben Tag wie ich angekommen mit der gleichen Diagnose: ein verkürzter Gebärmutterhals. 

Zwei Wochen Krankenhaus mit OP für eine Cerclage, um den Gebärmutterhals zu schließen, der Lungenreifespritzen, Antibiotika, Wehenhemmer und zwei mal am Tag CTG später durfte ich endlich wieder nach Hause. Allerdings mit Bettruhe. Und zwar so strikt, dass gesagt wurde, 20 Minuten Bewegung am Tag nicht mehr. Puh… das ist hart. Vor allem, wenn man auch nicht lange sitzen darf.

Ich freute mich sehr auf daheim, auf mein Hundekind, darauf, meinen Partner da zu haben auch über Nacht, aber gleichzeitig macht es mir auch Sorgen. Was ist wenn zu Hause die Wehen wieder los gehen? Die Fahrt dauert 25 Minuten, eigentlich schon zu lang? 


Die nächsten Wochen und Monate waren sehr anstrengend und kräftezehrend. Auch für die Beziehung. Es ist kaum zu glauben, aber einfach ruhig zu bleiben, sich zu entspannen und nichts zu tun ist schwerer als ich gedacht hätte. Klar, am Wochenende den Tag auf dem Sofa zu verbringen, okay, das habe ich easy hinbekommen. Aber nichts machen zu dürfen, kein Haushalt, nicht einkaufen, nur kurz raus und das auf Dauer? Meine Psyche war völlig fertig. Dann kam eine Blasenentzündung und später noch eine oberflächliche Thrombose, trotzdem Spritzen. 

Einmal das volle Programm bitte.

Sodbrennen, Rückenschmerzen vom liegen, Wassereinlagerungen, ein aufgedunsenes Gesicht , ich fühlte mich  wie ausgekotzt und wieder gegessen und nochmal ausgekotzt. Der Schwangerschafts-Glow ging total an mir vorbei. So unwohl in der eigenen Haut habe ich mich lange nicht mehr gefühlt. 

Ich setzte mir immer wieder Zwischenziele. Nach der 28. SSW. ist die Gefahr auf Hirnblutungen beim Kind geringer. Ab der 34. SSW. stehen die Überlebenschancen gut. Ab der 36. SSW. wäre das Baby kein extremes Frühchen mehr und ich dürfte in meinem Wunsch Krankenhaus entbinden (nur ohne Cerclage). Ab der 37.+0 SSW. nach dem Ziehen der Cerclage darf ich wirklich ins gewünschte Krankenhaus. Ich machte so viele Kreuze wie es geht, nach jedem Wochenwechsel, nach jedem Ziel und siehe da:

Zwei Tage vor Heiligabend wurde die Cerclage gezogen. Jetzt durfte es endlich offiziell losgehen.. Doch wann kommt der kleine Mann, der es so eilig hatte, wirklich?

Latest Articles